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Humboldt heute - Bildung im Gartensaal, 14.09.2013, Reinbek

Veröffentlicht am 16.08.2013, 16:54 Uhr     Druckversion

Gesine Schwan, Wara Wende, Nina Scheer und Martin Habersaat im Schloss Reinbek- Am Ende waren sogar noch die letzten Stühle aus dem Keller geholt und der Saal neben dem Podium bestuhlt: Über 120 Gäste waren in den Gartensaal des Reinbeker Schlosses gekommen, um sich mit Gesine Schwan, Wara Wende und Nina Scheer Gedanken über Bildung zu machen.

Unter der Überschrift  „Bildung ist keine Ware“ hatte Bundestagskandidatin Nina Scheer zu einer Veranstaltung ihrer Reihe ‚Chancen ergreifen - Zukunft gestalten' eingeladen.

Prof. Gesine Schwan präsentierte sich als mitreißende Rednerin. Als Präsidentin einer Hochschule habe sie sehr wohl die Erfahrung gemacht, dass Bildung zur Ware werde - wenn es etwa darum gehe, Produkt- und Leistungsbeschreibungen für Forschung und Lehre zu formulieren. Sie warb dafür, Bildung als das Entfalten von Potenzialen zu verstehen. Sie richtete sich gegen einen Bildungsbegriff, der auf Wettbewerb beruhe und auf kognitive Bildung begrenzt werde: „Bestenauslese ist nicht demokratisch. Demokratie ist darauf angewiesen, dass Menschen miteinander kooperieren.“ Die Entwicklung des Individuums müsse immer in Bezug auf die Gemeinschaft gesehen werden. Wesentlich für gelingende Bildung sei die Vermittlung von Fähigkeiten zur Überwindung von Enttäuschungen sowie zur Erlangungen von Vertrauensbereitschaft, Selbstreflexion und Selbstvertrauen.

Auch Bildungsministerin Prof. Wara Wende warb für ein Bildungsideal, das „Humboldt ins Heute übersetzt“. Schule solle nicht nur kognitive, sondern auch kreative und soziale Potenziale entwickeln helfen, zur Stärkung von Wahrnehmungsfähigkeit, Differenzierungsvermögen und kritischem Reflexionspotenzial. Von diesen Überlegungen ausgehend entwickelte sie Leitlinien für Schulen, Hochschulen und die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern, etwa für mehr und frühere Praxisanteile und Sprachförderkompetenzen. Wende sprach sich für flächendeckende Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen aus. „Wir brauchen Schulen, die auf die Kinder zugeschnitten sind und nicht umgekehrt“, so Wende.

Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Moderator des Abends, verwies auf die Bildungsbiografie von Nina Scheer, die ein gutes Beispiel für das Entfalten unterschiedlicher Potenziale sei. Erst studierte sie Musik und wurde Violinistin, dann folgten ein Jurastudium und eine politikwissenschaftliche Promotion. Scheer selbst warb für eine ausreichende Ausstattung staatlicher Bildungseinrichtungen, um die Unabhängigkeit von Bildung und Lehre zu gewährleisten. „Je mehr die Hochschulbildung auf nichtstaatliche Finanzierung bzw. Drittmittel angewiesen ist, desto eher besteht die Gefahr, dass sie ökonomisierten Interessen und nicht mehr gemeinwohlorientierten Zielen folgt“, sagte Scheer und fügte an: „Mit der SPD setze ich mich dafür ein, dass ab 2014 jährlich 20 Milliarden Euro mehr für Bildung bereitgestellt werden. Durch die Einrichtung eines Wissenschaftsforums unter Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Akteuren könnte sichergestellt werden, dass Bildung gemeinwohlorientiert und nicht ökonomisiert- sowie lobbyistisch gelenkt finanziert wird". Damit der Bund eine entsprechende Verantwortung wahrnehmen könne, gelte es aus dem Kooperationsverbot ein Kooperationsgebot werden zu lassen.

Aus den Reihen der Teilnehmer kamen sowohl kritische Stimmen zu ‚G8‘ als auch einem „Zuviel an Reformen", die die Lehre für Lehrende und Schüler erschwerten. Wara Wende appellierte, den möglichen langfristigen Mehrwert von Reformen anzuerkennen, selbst wenn sie anfangs steinig seien. In Bezug auf G8 verwies sie auf sowohl gelungene Beispiele der Umstellung als auch hierbei unterlaufene Fehler. Wichtig sei, durch Rhythmisierung der Lernziele und Überarbeitung der Lehrpläne eine Überfrachtung der Stundenpläne und Lehrinhalte zu vermeiden.

Homepage: Nina Scheer, MdB


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